Terroralarm in Großbritannien

Mehrere Anschläge konnten in London und Glasgow verhindet werden

von Britta Pawlak - 02.07.2007

Am vergangenen Freitag und Samstag konnten in Großbritannien mehrere Terroranschläge verhindert werden. Nach Angaben der Polizei entdeckte man am Freitag (29.06.) in London zwei Fahrzeuge, in denen Bomben versteckt waren. Am Samstag rasten zwei Männer mit einem brennenden Geländewagen, in dem sich ein Sprengsatz befand, in den Terminal des Flughafens von Glasgow. Während in Großbritannien höchste Terrorwarnstufe gilt, spricht man auch in Deutschland von einer "zunehmenden Terrorgefahr".

Nachdem am Freitag (29. Juni) zwei Autobomben in London entschärft werden konnten, raste am Samstag ein brennender Jeep in den Flughafen von Glasgow.
Helles Köpfchen (abfotografiert)

Großbritannien ist derzeit in höchster Alarmbereitschaft. Die Polizei hat bisher acht Verdächtige festgenommen. Es werden strenge Sicherheitskontrollen vorgenommen, um mögliche weitere Anschläge zu verhindern. Die Polizei ist unterdessen auf der Suche nach den Drahtziehern der geplanten Anschläge. Einige britische Medien haben bereits alle möglichen Spekulationen verbreitet. Die Polizei gab noch keine genauen Informationen bekannt.

Es gibt bisher keine Beweise dafür, dass die Anschläge auf die radikal-islamische Terror-Organisation Al Qaida zurückzuführen sind, wie einige Zeitungen geschrieben haben. Experten gehen davon aus, dass die Verantwortlichen keine ausgebildeten Terroristen waren. Sie vermuten aber, dass radikale Anhänger des islamistischen Terrors selbst tätig geworden sind. Gordon Brown, neuer Premierminister und Nachfolger Tony Blairs, vermutet, dass hinter den Anschlägen Anhänger des internationalen Terrornetzes stecken. Der US-amerikanische Präsident George W. Bush würdigte die Reaktion Großbritanniens: Dass man die Anschläge in London und Glasgow vereitelt hätte, würde zeigen, dass der "Krieg gegen die Terroristen" weitergehe.

Zunehmende Bedrohung durch islamistischen Terror?

Die Menschen in Madrid trauerten lange um die 192 Opfer der Anschläge vom 11. März 2004.
Helles Köpfchen

Bereits im Juli 2005 wurden in London Bombenanschläge in zahlreichen Bussen und U-Bahnen verübt. Dabei wurden 52 Menschen sowie vier Selbstmordattentäter getötet und über 700 verletzt. In Madrid explodierten im März 2004 in mehreren Zügen Bomben. Bei den Terroranschlägen starben 192 Menschen. Der islamistische Terror wird als zunehmende Bedrohung angesehen. Gerade unter vielen jungen Muslimen beobachtet man die Tendenz zu einem immer fanatischeren Glaubensverständnis.

Als "Islamisten" werden radikale Anhänger des Islams bezeichnet. Sie betrachten westliche Wertevorstellungen als Inbegriff der Unmoral. Die "Verwestlichung" der islamischen Länder wird dabei als "Grund allen Übels" angesehen. Islamisten kämpfen auf radikale Weise gegen "Ungläubige" und für die ursprünglichen Traditionen des Islams. Dabei schrecken viele der Fanatiker selbst vor Terror, Mordanschlägen und Selbstmord nicht zurück. Als Endziel des "Dschihad" (bedeutet: "heiliger Krieg") wollen sie einen islamistischen Weltstaat errichten. Eigentlich ist der Islam eine friedliche Religion. Die überwiegende Mehrheit der Muslime verachtet die islamistischen Extremisten, die Gewalt anwenden und - angeblich "im Namen Gottes" - sogar unschuldige Menschen töten.

Auch in Deutschland erhöhte Terrorgefahr?

Herrscht auch in Deutschland erhöhte Terrorgefahr? Als Sicherheitsmaßnahme sind in Großstädten noch mehr Videoüberwachungen geplant.
Photocase (Luisato)

Auch in Deutschland wird von vielen Politikern und Terror-Experten vor einer erhöhten Terrorgefahr gewarnt. Ebenso in unserem Land würden einige Islamisten mit radikaler Gesinnung leben. Die Entscheidung des deutschen Bundestags, die Afghanistan-Einsätze der Bundeswehr weiter zu verlängern, spielt auch eine Rolle bei der Frage, ob Deutschland verstärkt von Terroranschlägen bedroht ist. Bundesaußenminister Wolfgang Schäuble (CDU) setzt sich erneut für verschärfte Sicherheitsmaßnahmen ein. Er will in deutschen Großstädten noch mehr Videoüberwachungen durchführen.

Nach Ansicht vieler Experten sind Überwachungskameras allerdings eher bei der Aufklärung von Anschlägen oder versuchten Attentaten hilfreich, als bei einer Verhinderung von Terroranschlägen. Bundeskanzlerin Merkel hat sich nach den vereitelten Bombenanschlägen in Großbritannien dafür ausgesprochen, als Maßnahme in Deutschland die Bundeswehr auch im Inneren des Landes einzusetzen. Eigentlich besteht bei der Zuständigkeit eine klare Trennung zwischen "innerer" und "äußerer" Sicherheit. Politiker der SPD sind entschieden gegen einen Bundeswehreinsatz im Inneren.

Viele Menschen kritisieren, dass das Gleichgewicht zwischen Freiheit und Sicherheit immer mehr gefährdet wird. Es sei zwar wichtig, Kriminalität und Terror zu bekämpfen und sich für Sicherheit einzusetzen, dabei dürften Menschenrechte wie Privatsphäre und persönliche Freiheit jedoch nicht zu weit eingeschränkt werden. Für viele gehen die Vorhaben von Schäuble - zum Beispiel das Ausspionieren von Computern oder das Abhören von Telefongesprächen - entschieden zu weit.

Kritik: Haltung westlicher Länder schürt Terrorangst sowie Hass vieler Muslime

Am 11. September 2001 wurden die USA durch eine Serie von Anschlägen erschüttert. Kurz darauf rief der damalige Präsident Bush den "Krieg gegen den Terror" aus.
FEMA

Außerdem lautet der Vorwurf, dass in westlichen Ländern die Terrorangst noch geschürt werde. Gleichzeitig würden mit dem "Kampf gegen den Terror" Verstöße gegen Menschenrechte und Einschränkungen der Freiheit gerechtfertigt werden. Vor allem die US-Regierung wird für ihr Vorgehen scharf kritisiert. Immer wieder werden Terror-Verdächtige ohne feste Beweise in Militär-Gefängnissen festgehalten, und ihnen werden kaum Rechte gewährt. In den US-Gefangenenlagern Abu Ghuraib (Irak) und Guantánamo (Kuba) wurden sogar brutale Folterungen an Häftlingen bekannt.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf die beiden Türme des World Trade Centers in New York, bei denen über 3.000 Menschen ums Leben kamen, wurde von der US-Regierung mit Härte der "internationale Kampf gegen den Terror" ausgerufen. Die USA planten einen Angriff auf Afghanistan. Das islamistische Taliban-Regime wurde Ende 2001 von dem Militärbündnis aus US- sowie britischen Truppen gestürzt. Seit 2003 führen die US-Streitkräfte im Bündnis mit britischen Soldaten einen Krieg im Irak. Dieser forderte bereits viele Opfer - auch in der Zivilbevölkerung ("zivil" heißt "nicht militärisch"). Immer wieder werden im Irak Anschläge verübt, das Land befindet sich in einer tiefen Krise. Aber auch die Einsätze in Afghanistan, bei denen seit 2002 Bundeswehrsoldaten beteiligt sind, stehen zunehmend in Kritik. Neben US-Soldaten sind im Land auch Truppen der Isaf ("Internationale Sicherheitsunterstützung") stationiert, welche momentan aus 37 Nationen besteht.

Erst kürzlich starben bei Isaf-Einsätzen viele Zivilisten, darunter auch Kinder. Eigentlich sollen die Truppen den Wiederaufbau des Landes unterstützen und für mehr Sicherheit sorgen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai kritisierte das Vorgehen der US- und Isaf-Truppen massiv. Er forderte die internationalen Streitkräfte auf, viel mehr auf den Schutz der afghanischen Bevölkerung bedacht zu sein. Bei Kämpfen in Afghanistan wurden seit Jahresbeginn nach Schätzungen mindestens 600 Zivilisten getötet. Mehr als die Hälfte der Opfer sollen von internationalen Truppen sowie afghanischen Soldaten verschuldet worden sein. Von einigen Seiten wird kritisiert, dass durch das Vorgehen der USA und westlicher Bündnisländer der Konflikt zwischen Muslimen und der westlichen Welt verschärft und der Hass radikaler Islamisten erst recht angefacht würde.

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letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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