China in der Kolonialzeit

Blick auf China - Teil 2

Teil 2 von 4

von Björn Pawlak

1839 bis 1842 und 1858 bis 1860 fanden die beiden "Opiumkriege" statt. Gegner Chinas war zuerst England, später dann auch Frankreich. China verlor diese kriegerischen Auseinandersetzungen und war danach gezwungen, sich der Wirtschaft und dem Handel aus Europa zu öffnen. Daraus zogen die industrialisierten europäischen Mächte und später auch Japan Nutzen, China war im Grunde zu einer Kolonie geworden.

Engländer und andere Europäer schmuggelten im 19. Jahrhundert aus ihren Kolonien in Südasien Opium nach China. Die Droge war hier verboten, erfreute sich aber schnell großer Beliebtheit. In China kam es zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen durch den zunehmenden Drogenschmuggel und Drogenkonsum.

Opiumschmuggel

Auf Befehl des Kaisers wurden im Juni 1839 große Mengen geschmuggelten Opiums ins Meer geschüttet. Tatsächlich wurde dies zum Anlass für den nun folgenden Krieg. (Quelle: Wikipedia)

Die Opiumhändler machten sehr gute Geschäfte. China lieferte Tee nach Europa, wollte seinen Markt jedoch nicht unkontrolliert öffnen. 1839 befahl der Kaiser von China die Vernichtung von einer großen Menge beschlagnahmten Opiums. Das Vereinigte Königreich von Großbritannien begann daraufhin einen militärischen Einsatz in China, um diesen Absatzmarkt für eigene Waren gewaltsam zu öffnen.

China hatte den Handel streng bewacht, so mussten alle ausländischen Händler in die Hafenstadt Kanton kommen, wo chinesische Beamte ein Auge auf die Geschäfte warfen. Das Opium kam auf Schleichwegen ins Land, durchgeführt wurde das vor allem von der britischen "East India Company", die im Namen der englischen Krone die koloniale "Wertschöpfung" und den Handel mit den entsprechenden Produkten organisierte. Das im Juni 1839 beschlagnahmte Opium ließ der Kaiser von seinen Leuten ins Meer schütten.

Erster Opiumkrieg

Englische "Opiumschiffe": Die "East India Company" produzierte die Droge vor allem in der Kolonie Bengalen in Südasien und exportierte sie dann nach China. (Quelle: Wikipedia)

Großbritannien erklärte jetzt zwar nicht gleich den Krieg, setzte aber einen Flottenverband mit Kriegsschiffen in Bewegung, um den Druck auf China spürbar zu verstärken. Da beide Seiten auf ihren Positionen beharrten, kam es schnell zu ersten Kriegsakten. Die englische Flotte machte wichtige Seewege zu und wurde durch nachrückende Truppen aus dem indischen Raum unterstützt.

China war militärisch eindeutig im Nachteil, die Briten konnten ihnen ihren Willen schnell aufzwingen. Der Erste Opiumkrieg endete mit dem "Vertrag von Nanjing", China musste nun einige Häfen komplett öffnen. Hongkong wurde britische "Kronkolonie". Mit dem Ersten Opiumkrieg begann Chinas Niedergang als Weltmacht - man wurde immer mehr zu einer Kolonie der Europäer.

Zweiter Opiumkrieg

Die "China-Expedition" der französischen Soldaten in einer zeitgenössischen Darstellung. (Quelle: Wikipedia)

Im Zweiten Opiumkrieg trat dann auch Frankreich in den Krieg ein, um selbst seine imperialistischen (also auf Herrschaft ausgerichteten) Interessen wahrzunehmen. Im Jahr 1860 nahmen englische und französische Truppen Beijing ein und verwüsteten teilweise die Stadt.

Der "Vertrag von Tanjin" besiegelte endgültig die chinesische Unterwerfung: Der Opiumhandel wurde gesetzlich erlaubt und christliche Missionare strömten ins Land. Die ausländischen Kaufleute durften nun im Land frei reisen und erwarben Grundbesitz. Auch Russland profitierte durch Ausweitung seines Landbesitzes von den "ungleichen Verträgen" (so nannten die Chinesen die aus den Opiumkriegen hervorgegangenen Verträge später selbst).

Blutiger Bürgerkrieg durch den "Taiping"-Aufstand

Der Rebell Hong Xiuquan krönte sich selbst zum "himmlischen König". Der Bürgerkrieg, in den er mit seiner Sekte zog, bedeutete den Tod für über zehn Millionen Menschen. (Quelle: Wikipedia)

Die Qing-Dynastie hielt sich trotz all der Probleme noch immer an der Macht, aber ihr Ansehen war schwer beschädigt. Von 1850 bis 1864 herrschte zusätzlich noch ein blutiger Bürgerkrieg in China, der "Taiping-Aufstand", dem nach Schätzungen mindestens zehn Millionen Menschen zum Opfer fielen. Der Begründer der Rebellen hieß Hong Xiuquan, er wurde zur Führerfigur einer Sekte im südlichen China. Die Bewegung richtet sich sowohl gegen die europäischen Eindringlinge als auch gegen die noch herrschende Qing-Dynastie. 1851 rief Hong Xiuquan das "Taiping-Königreich" aus und ernannte sich selbst zum "Himmlischen König".

Schließlich schlossen sich 500.000 Menschen zu einer Armee zusammen und stürmten 1853 die ehemalige Hauptstadt Nanjing. Die Taiping-Bewegung hielt diese Stadt für eine gewisse Zeit. Bei einer berühmten Verteidigungsschlacht sollen innerhalb von wenigen Tagen 100.000 Menschen den Tod gefunden haben. In den nächsten Jahren geriet die Taiping-Bewegung in zahlreiche militärische Auseinandersetzungen, auch mit den englischen und französischen Armeen. Beim missglückten Sturm auf Peking und auch bei späteren Feldzügen mussten sich die Rebellen den kaiserlichen Truppen geschlagen geben, später lösten sich ihre Kampfeinheiten auf.

Krieg gegen Japan

Chinesische Militäreinheit im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg. (Quelle: Wikipedia)

1894 kam es zum "Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg" im Streit um Korea. Japan wollte das vormals chinesisch beherrschte Gebiet enger an sich binden. China erklärte den Krieg, nachdem japanische Truppen in der koreanischen Hauptstadt Seoul den Königspalast besetzt hatten.

China unterlag innerhalb von acht Monaten und kapitulierte. Man musste nun auf Korea verzichten und war in der Auseinandersetzung mit den europäischen Mächten zusätzlich geschwächt. Nach dieser demütigenden Kriegsniederlage forderte man in China eine radikale Modernisierung des eigenen Militärapparates. Später (zwischen 1937 und 1945) sollte es noch zum Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg kommen.

Der "Boxeraufstand"

Die Rebellion der "Boxer". (Quelle: Wikipedia)

Im Jahr 1900 war eine neue Rebellenbewegung entstanden: die "Boxer". Ihren Namen verdankten die "Boxer" den von ihnen beherrschten traditionellen chinesischen Kampfkünsten wie "Kung Fu". Die tiefe Unzufriedenheit und Unsicherheit im Land verursachte Hass auf die ausländischen Vertreter und Missionare, daneben wurden auch die chinesischen Christen als Feindbilder ausgemacht. Immer häufiger kam es zu gewaltsamen Übergriffen.

In Beijing belagerten die "Boxer" schließlich das Viertel der europäischen Gesandten. Die Europäer schickten in dieser sich zuspitzenden Krise militärischen Nachschub ("Expeditionskorps"), doch zunächst behielten die "Boxer" die Oberhand. Sie wurden von den kaiserlichen Truppen unterstützt. Nach einer weiteren Nachschubwelle europäischer Soldaten jedoch wendete sich das Blatt und die Europäer schlugen gewaltsam und vernichtend zurück. Beijing wurde tagelang verwüstet. Mehrere tausend Chinesen und wenige hundert Ausländer starben bei den Aufständen.

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letzte Aktualisierung: 29.10.2016

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